Zum Inhalt springen

Grippeimpfung in Apotheken: die Studie zu den Modellprojekten

Was 11.571 Fragebögen aus den Modellprojekten 2020 bis 2023 über Erstimpfungen, Dauer, Zufriedenheit und Zwischenfälle zeigen, mit Studien aus dem Ausland.

Stand: 28.09.2026

Diese Seite fasst zusammen, was öffentlich dokumentiert ist. Sie ist keine Rechtsberatung. Verbindlich sind Ihre Apothekerkammer und die zuständige Aufsichtsbehörde.

Ein Team um die Klinische Pharmazie der Universität des Saarlandes hat 11.571 Fragebögen aus den Modellprojekten zur Grippeimpfung in Apotheken ausgewertet. Sie stammen aus acht Bundesländern und den Grippesaisons 2020/21 bis 2022/23. Die Auswertung ist im Dezember 2024 in der Fachzeitschrift Vaccine erschienen (Werthner und andere).

Warum die Grippeimpfung in Apotheken erprobt wurde

Die Modellvorhaben sollten die Impfquote verbessern, so steht es in § 132j Abs. 1 SGB V. Der Paragraf kam mit dem Masernschutzgesetz und gilt seit dem 1. März 2020. Absatz 7 verlangt, dass die Vorhaben nach allgemein anerkannten wissenschaftlichen Standards ausgewertet werden.

Die Impfquote liegt unter dem Ziel der Europäischen Impfagenda 2030 von 75 % bei allen, denen die Grippeimpfung empfohlen ist. Nach Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen waren in der Saison 2024/25 35 % der Menschen ab 60 gegen Grippe geimpft und 12 % der Erwachsenen von 18 bis 59 mit einer Grunderkrankung. Beide Zahlen und das Ziel nennt das Robert Koch-Institut im Epidemiologischen Bulletin 38/2026.

Woher die Daten stammen

Ausgewertet wurden die Modellprojekte in Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Sachsen, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, wo Westfalen-Lippe und Nordrhein je ein eigenes Projekt hatten. Berlin hatte ebenfalls ein Modellprojekt, gab seine Daten aber nicht weiter.

Den Fragebogen hat die ABDA mit dem Paul-Ehrlich-Institut und dem Robert Koch-Institut entwickelt. Einen Teil füllte die impfende Apothekerin oder der impfende Apotheker aus, den anderen danach die geimpfte Person, beide anonym. Die Zahl der Befragten stieg von 1.228 in der ersten Saison auf 4.810 in der zweiten und 5.374 in der dritten. Aus sieben der neun Regionen ist auch die Zahl der Apotheken bekannt, die mitmachten, und sie wuchs von 104 über 293 auf 477.

Wer sich in der Apotheke impfen ließ

Die größte Altersgruppe waren die 60- bis 69-Jährigen mit 23,1 % der Befragten, knapp vor den 50- bis 59-Jährigen mit 22,7 %. Frauen stellten 57,5 %.

Die Apothekerinnen und Apotheker hielten fest, ob eine Indikation nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) vorlag, ob die Person also zu einer Gruppe gehörte, der die Kommission die Grippeimpfung empfiehlt. Sie vermerkten

  • bei 26,9 % ein gesundheitliches Risiko durch eine Vorerkrankung,
  • bei 20,3 % ein erhöhtes Ansteckungsrisiko im Beruf,
  • bei 18,7 % ein Alter ab 60 Jahren ohne weitere Indikation,
  • bei 25,1 % keine Indikation nach der STIKO-Empfehlung.

Unter 40 Jahren war das berufliche Risiko mit 41,1 % der häufigste Grund, zwischen 40 und 59 Jahren mit 38,3 % ebenso. Ab 60 lag es bei 12,8 %.

Wie viele zum ersten Mal gegen Grippe geimpft wurden

Für 13,6 % der Befragten war es die erste Grippeimpfung überhaupt. Ihr Anteil sank von 25,7 % in der Saison 2020/21 auf 7,1 % in der Saison 2022/23. Unter 40 Jahren wurden 22,0 % zum ersten Mal gegen Grippe geimpft, ab 60 waren es 8,7 %.

86,4 % waren schon früher gegen Grippe geimpft worden, und 66,9 % aller Befragten nannten dafür die Hausarztpraxis. Die Apotheke stand als früherer Impfort nicht zur Auswahl. Einen sonstigen Ort nannten 1,8 % in der Saison 2020/21 und 21,1 % in der Saison 2022/23.

Ob sie sich ohne die Apotheke hätten impfen lassen

17,0 % der Befragten hätten sich nach eigener Angabe nicht impfen lassen, wenn es die Impfung in der Apotheke nicht gegeben hätte. 11,5 % waren sich nicht sicher, und 56,9 % wären in eine Arztpraxis oder zu einer anderen Stelle gegangen.

Von den Befragten, die zum ersten Mal gegen Grippe geimpft wurden, hätten sich 27,6 % ohne die Apotheke nicht impfen lassen, und 34,5 % waren unsicher. 35,0 % von ihnen hätten sich auch anderswo impfen lassen.

Wie die Befragten von dem Angebot erfuhren

Die häufigste Quelle war das Personal der Apotheke mit 35,0 %, danach kamen gedruckte Hinweise in der Apotheke mit 26,4 %. Mehrere Antworten waren möglich. Eine eigene öffentliche Kampagne für die Grippeimpfung in Apotheken gab es nicht, die ABDA stellte den Apotheken Flyer und Plakate.

Von der ersten zur dritten Saison stieg der Anteil, der über das Apothekenpersonal von der Impfung erfuhr, von 28,9 % auf 42,1 %, bei den gedruckten Hinweisen von 15,2 % auf 27,6 %. Hinweise der Krankenkassen gingen von 8,9 % auf 2,1 % zurück.

Warum sie die Apotheke wählten

Der häufigste Grund war der einfache Zugang, den 66,7 % der Befragten nannten, auch hier bei mehreren möglichen Antworten. Es folgten

  • keine Wartezeit mit 52,5 %,
  • Vertrauen in die Kompetenz der Apothekerinnen und Apotheker mit 42,6 %,
  • passende Öffnungszeiten mit 35,7 %,
  • Stammkundschaft in der Apotheke mit 26,1 %.

Die Sorge, sich in der Arztpraxis anzustecken, nannten 13,1 % in der Saison 2020/21 und 5,0 % in der Saison 2022/23. Dass die Arztpraxis die Impfung nicht anbot, gaben im selben Zeitraum erst 10,4 % und zuletzt 3,3 % an. Stammkundschaft nannten Ältere häufiger, unter 40 Jahren 16,6 % und über 60 Jahren 31,5 %.

Wie lange eine Impfung dauerte

Aufklärungsgespräch und Impfung dauerten zusammen im Median 12 Minuten, die mittlere Hälfte der Impfungen 10 bis 16 Minuten. In der ersten Saison lag der Median bei 15 Minuten, in der dritten bei 11. Die meisten Impfungen fielen in den Oktober mit 28 % und den November mit 46,6 %.

Wie zufrieden die Befragten waren

Mit der Impfung in der Apotheke waren 93,8 % der Befragten sehr zufrieden, und 88,5 % bewerteten die Information vor der Impfung als sehr gut. 93,9 % würden sich wieder in der Apotheke gegen Grippe impfen lassen. Gegen andere Krankheiten würden sich 79,7 % in der Apotheke impfen lassen, weitere 16,3 % wahrscheinlich. In der Saison 2020/21 sagten das 69,5 %, in der Saison 2022/23 81,1 %.

Die Befragten füllten ihren Teil in der Apotheke aus, in Anwesenheit der Apothekerin oder des Apothekers, die oder der sie geimpft hatte. Die Autorinnen und Autoren halten es deshalb für möglich, dass die Antworten günstiger ausfielen. Zu diesen vier Fragen fehlen 14,2 bis 14,4 % der Antworten.

Eine Befragung von Rose und anderen zu Corona-Impfungen in elf deutschen Apotheken kam von Februar bis April 2022 auf ähnliche Werte. Von 427 Befragten gaben 91,5 % die beste Bewertung, weitere 7,8 % waren ziemlich zufrieden. Auch dort füllten die Befragten den Bogen direkt nach der Impfung aus.

Welche Zwischenfälle gemeldet wurden

In 9 der 11.571 Fragebögen ist eine Reaktion nach der Impfung vermerkt:

  • dreimal eine anaphylaktische Reaktion,
  • dreimal ein Notfall der Atemwege,
  • einmal ein Notfall von Herz und Kreislauf,
  • einmal ein Notfall durch eine Blutung,
  • einmal Kreislaufprobleme mit Schwindel.

In keinem der neun Fälle waren Notfallmaßnahmen nötig, weder in der Apotheke noch durch den Rettungsdienst. Weil dazu auch keine weiteren Angaben vorliegen, vermuten die Autorinnen und Autoren, dass ein Kreuz an der falschen Stelle stand oder die Reaktion nicht schwer war. Eine Schulterverletzung durch die Injektion ist in keinem Fragebogen dokumentiert.

Die Modellprojekte verwiesen unter anderem Schwangere, Menschen unter gerinnungshemmender Therapie und Menschen, die schon einmal schwer auf eine Impfung reagiert hatten, an eine Arztpraxis. Für die Häufigkeit seltener schwerer Reaktionen war die Studie nach Angabe der Autorinnen und Autoren zu klein.

Was über Schulterverletzungen nach der Impfung bekannt ist

Eine länger anhaltende, schmerzhafte Bewegungseinschränkung der Schulter nach einer Impfung ist nach dem Paul-Ehrlich-Institut eine sehr seltene Impfkomplikation. Das Institut hat sie im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit 3/2016 ausgewertet. In der Fachliteratur heißt sie SIRVA, nach dem englischen „shoulder injury related to vaccine administration“. Von 2001 bis Juni 2016 bestätigte das Institut 59 Fälle, bei rund 35.000 Verdachtsmeldungen zu Impfkomplikationen aus Deutschland im selben Zeitraum.

Die meisten SIRVA-Verdachtsmeldungen folgten einer Grippeimpfung, was das Institut am ehesten mit der Zahl dieser Impfungen erklärt. Als Ursache nennt es eine versehentliche Verletzung von Strukturen der Schulter, wenn in den Deltamuskel injiziert wird. Es beschreibt eine Technik nach Cross und anderen, die das Risiko verringern soll. Dabei wird bei um 60 Grad abgespreiztem Arm in der Mitte zwischen Acromion und Tuberositas deltoidea injiziert.

Wo die Auswertung an Grenzen stößt

Apotheken und Befragte nahmen freiwillig teil. Die Stichprobe bildet deshalb nach Einschätzung der Autorinnen und Autoren möglicherweise vor allem Menschen ab, die der Impfung in der Apotheke schon vorher zugeneigt waren. Die Fragebögen unterschieden sich zwischen den Regionen, und nicht jedes Land war in allen drei Saisons dabei.

Vier der zwölf Autorinnen und Autoren erhielten für das Projekt Mittel von Krankenkassen und Apothekerverbänden, zwei davon auch von einem pharmazeutischen Großhändler. Die Autorinnen und Autoren erklären, keine konkurrierenden finanziellen Interessen zu haben.

Was Studien aus anderen Ländern zur Impfquote zeigen

Eine Übersichtsarbeit von Isenor und anderen fand 2016 in allen 36 eingeschlossenen Studien eine höhere Impfquote, wenn Apothekerinnen und Apotheker beteiligt waren. Das galt für jede ihrer Rollen, ob sie aufklärten, Impfungen organisierten oder selbst impften. Verglichen wurde jeweils mit Impfungen ohne ihre Beteiligung. Als Schwäche nennen die Autorinnen und Autoren, dass viele Studien nicht randomisiert waren und sich im Aufbau stark unterschieden.

Eine aktualisierte Metaanalyse von Le und anderen mit 14 randomisierten und 79 Beobachtungsstudien kam 2022 zum selben Ergebnis, vor allem für die Grippeimpfung in den USA und einigen Ländern mit hohem Einkommen. Die Qualität der Evidenz bewerten die Autorinnen und Autoren als mittel oder niedrig.

Nach einem Bericht des Weltapothekerverbands FIP von 2024 ist das Impfen in Apotheken in 56 Ländern und Gebieten zugelassen, 47,9 % der erfassten. In 13 davon impfen in der Apotheke andere Gesundheitsberufe. Gegen Grippe impfen Apothekerinnen und Apotheker in 31 Ländern.

Was Auswertungen aus Westaustralien zur Sicherheit zeigen

Bei 15.621 Grippeimpfungen in 76 Apotheken in Westaustralien gab es von März bis Oktober 2015 keine schweren Zwischenfälle, leichte bei weniger als 1 % der Geimpften. Das ergab die Auswertung von Hattingh und anderen, die auf Angaben der Apotheken beruht.

Für die Saison 2020 verglichen Salter und andere dort Grippeimpfungen in 22 Apotheken mit Grippeimpfungen in 90 Arztpraxen und Kliniken. Die Geimpften über 10 Jahren wurden per SMS nach Reaktionen gefragt. Nach der Impfung in der Apotheke meldeten 4,8 % der Antwortenden eine Reaktion, nach der Impfung anderswo 6 %. Bei den über 65-Jährigen waren die Anteile mit 5,8 % und 6 % ähnlich. Die Autorinnen und Autoren halten es für möglich, dass in Apotheken andere Menschen geimpft werden als in Praxen.

Was seit den Modellprojekten gilt

Seit dem 30. Juni 2022 dürfen Apotheken auch außerhalb von Modellprojekten gegen Grippe impfen. Das Pflegebonusgesetz hat dafür § 20c in das Infektionsschutzgesetz eingefügt, für die Grippeimpfung bei Erwachsenen. Vergütung und Abrechnung regelt ein Vertrag zwischen dem GKV-Spitzenverband und dem Deutschen Apothekerverband nach § 132e Abs. 1a SGB V. Die Modellvorhaben mussten nach § 132j Abs. 8 SGB V innerhalb von neun Monaten nach diesem Vertrag enden.

Seit dem 2. Juli 2026 erlaubt § 20c IfSG geschulten Apothekerinnen und Apothekern, Erwachsene mit allen Impfstoffen zu impfen, die keine Lebendimpfstoffe sind. Mit der bis zum 1. Juli 2026 geltenden Schulung dürfen sie gegen Grippe und Corona ohne neue Schulung weiter impfen. Was sich damit geändert hat, steht unter Impfen als Apothekenleistung.

Wie viele Apotheken heute gegen Grippe impfen

Etwa 1.700 Apotheken, jede zehnte in Deutschland, bieten Impfungen an. In der Saison 2025/26 impften sie 218.000 gesetzlich Versicherte gegen Grippe, nach dem Faktenblatt der ABDA vom August 2026. Für die Saisons davor nennt das Statistische Jahrbuch der ABDA 2026

  • 400 Apotheken mit 5.600 Impfungen in der Saison 2021/22, noch in Modellprojekten,
  • 1.200 Apotheken mit 67.300 Impfungen in der Saison 2022/23,
  • 1.500 Apotheken mit 101.300 Impfungen in der Saison 2023/24,
  • 1.400 Apotheken mit 121.900 Impfungen in der Saison 2024/25.

Fast 15.000 Apothekerinnen und Apotheker sind nach Angabe der ABDA für das Impfen geschult. An Arztpraxen lieferten die Apotheken im Kalenderjahr 2025 14,2 Millionen Grippeimpfdosen für gesetzlich Versicherte.

Wie eine Apotheke hier gelistet wird und Termine online annimmt, steht unter Apotheke werden.

Häufige Fragen

Seit wann dürfen Apotheken gegen Grippe impfen?

Seit dem 1. März 2020 in regionalen Modellvorhaben nach § 132j SGB V, seit dem 30. Juni 2022 auch außerhalb davon nach § 20c des Infektionsschutzgesetzes. Seit dem 2. Juli 2026 dürfen geschulte Apothekerinnen und Apotheker Erwachsene mit allen Impfstoffen impfen, die keine Lebendimpfstoffe sind.

Wie lange dauerte eine Grippeimpfung in der Apotheke?

In den Modellprojekten der Saisons 2020/21 bis 2022/23 dauerten Aufklärungsgespräch und Impfung zusammen im Median 12 Minuten. In der ersten Saison waren es 15 Minuten, in der dritten 11. Das ergab die Auswertung von 11.571 Fragebögen durch die Universität des Saarlandes (Werthner und andere, Vaccine, 2025).

Hätten sich die Befragten auch ohne die Apotheke gegen Grippe impfen lassen?

In den Modellprojekten der Saisons 2020/21 bis 2022/23 hätten sich 17,0 % der Befragten nach eigener Angabe ohne die Apotheke nicht impfen lassen, 11,5 % waren unsicher. Unter denen, die zum ersten Mal gegen Grippe geimpft wurden, sagten 27,6 % nein und 34,5 % waren unsicher.

Welche Zwischenfälle wurden in den Modellprojekten vermerkt?

In 9 der 11.571 Fragebögen aus den Modellprojekten der Saisons 2020/21 bis 2022/23 ist eine Reaktion nach der Impfung vermerkt. In keinem dieser Fälle waren Notfallmaßnahmen nötig, weder in der Apotheke noch durch den Rettungsdienst. Die Studie war nach Angabe der Autorinnen und Autoren zu klein, um die Häufigkeit seltener schwerer Reaktionen zu bestimmen.

Wie viele Apotheken impfen gegen Grippe?

Nach dem Faktenblatt der ABDA vom August 2026 bieten etwa 1.700 Apotheken Impfungen an, jede zehnte in Deutschland. In der Saison 2025/26 impften sie 218.000 gesetzlich Versicherte gegen Grippe.

Sie sind eine Apotheke?

Wir listen Apotheken mit ihren Impfzeiten und nehmen Buchungen direkt online entgegen.

Aufnahme anfragen

Quellen

Diese Seite gibt allgemeine Informationen wieder und nennt ihre Quellen. Sie ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Was in Ihrem Fall richtig ist, klären Sie in Ihrer Apotheke oder Ihrer Arztpraxis.